Strasburger Museen
Leiter der Museen
Fabrice Hergott

Hauptverwalter des Musée d’Art
moderne et contemporain

Emmanuel Guigon

Ausstellungskommissar
Marie-Jeanne Geyer,
Konservatorin
Im Musée d’Art moderne et contemporain

Musée d'Art moderne et contemporain
1, place Hans Jean Arp
F-67000 Strasbourg
tél : 03.88.23.31.31

Öffnungszeiten
Täglich von 11 bis 19 Uhr
Donnerstag von 12 bis 22 Uhr
Sonntags von 10 bis 18 Uhr
Montags geschlossen

Öffentlichkeitsbüro
Marie Ollier
Gwenaëlle Serre
Cathy Letard
2, place du Château
67000 Straßbourg
Tél. +33 (0)3 88 52 50 15
Fax +33 (0)3 88 52 50 42
www.musees-Straßbourg.org

Pressemitteilung

Ernst Wilhelm NAY
Aquarelle und Gouachen


8. Oktober 2004 | 9. Januar 2005

Museum für Moderne und Zeitgenössische Kunst

Während die Anfänge des Werkes von Ernst Wilhelm Nay (1902-1968) deutlich expressionistische Einflüsse, insbesondere von Munch und den Künstlern der „Brücke“, aufweisen, gelangte er in den 1930er-Jahren zu einem sehr persönlichen Stil. Mit der Farbe als wesentlichem Gestaltungselement schuf er zunächst frei erdachte und symbolische Formenspiele, nach dem 2. Weltkrieg fand er zur reinen Abstraktion.
Sein Werk zeichnet sich durch die starke Dynamik dicht gesetzter arabesker Farbformen oder –flecken in leuchtenden Tönen aus, die freie Improvisation basiert bei Nay auf einem untrüglichen Gespür für das richtige Maß. Nay gilt heute als einer der eigenwilligsten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts. Seine Aquarelle und Gouachen – im Werk des Künstlers ebenso bedeutend wie die Gemälde – beanspruchen einen eigenstäntigen Platz. Sie zeugen von der Intensität und der ästhetischen Überzeugung, mit denen sich Nay über Jahrzehnte den Wirkungen, Nuancen und Zufällen von Farbe widmete.
Die Ausstellung repräsentiert 30 Schaffensjahre des Künstlers und stellt selten, in einigen Fällen nie öffentlich gezeigte Aquarelle und Gouachen vor. Die Auswahl konzentriert sich bewusst auf drei entscheidende Schaffensperioden in Ernst Wilhelm Nays Werk. Ende der 1930er-Jahre weilte Nay, dessen Kunst damals von den Nationalsozialisten als entartet eingestuft wurde, auf Einladung von Edvard Munch auf den norwegischen Lofoten-Inseln. Dort schuf er zahlreiche Werke auf Papier. Sie waren das Fundament einer Welt der Metamorphosen und Variationen, die den Künstler von da an charakterisieren sollte. Die norwegische Reise offenbarte ihm die „kosmische Kraft der Natur“ und bestärkte ihn in der Möglichkeit einer „letzten Synthese“ des unendlichen „Wechselspiels“ divergierender Kräfte.
Während des Zweiten Weltkriegs war er Soldat in Frankreich. Aus dieser Zeit stamen eine Reihe erstaunlich ambivalenter Aquarelle und Gouachen. Die auf den ersten Blick idyllischen Landschaftsszenen offenbaren im Detail Angst und Schrecken. In seinen letzten Schaffensjahren ab 1965 gelag es dem nunmehr international anerkannten Künstler, auch in seinen Arbeiten auf Papier die „letzte Synthese“ seines Lebenswerks zu vollziehen.
Die Ausstellung ist keine umfassende Retrospektive des künstlerischen Schaffens von Ernst Wilhelm Nay. Vielmehr will sie anhand einer ganz bewussten Auswahl die Verbindung zwischen seiner ersten und letzten Schaffensperiode neu beleuchten und die beeindruckende innere Logik verdeutlichen, die dem Werdegang des Künstlers innewohnt.
Die in Zusammenarbeit mit dem Museum Folkwang Essen und der Münchner Pinakothek der Moderne entstandene Ausstellung präsentiert etwa 80 Aquarelle und Gouachen aus staatlichen und privaten deutschen Sammlungen. In Frankreich wird diesem Künstler erstmals eine Ausstellung gewidmet.
Der Ausstellungskatalog umfasst die Farbreproduktionen aller gezeigten Werke. Neben den Beiträgen bedeutender Kunsthistoriker, die Ernst Wilhelm Nays Werk aus neuer Sicht beleuchten, bereichern Texte von Zeitgenossen des Künstlers – großen Schriftstellern und Musikern – für deren Shriften sich Nay leidenschaftlich interessierte, den Katalog. Zwar stehen diese Texte nicht in direktem Bezug zu den ausgestellten Werken, doch sie gewähren imaginäre Einblicke in die „Bibliothek“ der Wahlverwandtschaften des Künstlers, die sowohl den Zeitkontext wie die individuelle Poesie seiner Kunst erhellen.

Pressemitteilung NAY