|
Strasburger
Museen
Leiter der Museen
Fabrice Hergott
Hauptverwalter des Musée dArt
moderne et contemporain
Emmanuel Guigon
Ausstellungskommissar
Sylvain Morand
Konservatorin
Im Musée dArt moderne et contemporain
Musée
d'Art moderne et contemporain
1, place Hans Jean Arp
F-67000 Strasbourg
tél : 03.88.23.31.31
Öffnungszeiten
Täglich von 11 bis 19 Uhr
Donnerstag von 12 bis 22 Uhr
Sonntags von 10 bis 18 Uhr
Montags geschlossen
Öffentlichkeitsbüro
Marie Ollier
Gwenaëlle Serre
Cathy Letard
2, place du Château
67000 Straßbourg
Tél. +33 (0)3 88 52 50 15
Fax +33 (0)3 88 52 50 42
www.musees-Straßbourg.org
|
|
Pressemitteilung
ERICH SALOMON
Ein Fotograf im Smoking portraitiert das politische und soziale Europa
der Drei_iger Jahre
8. Oktober 2004 | 19. Dezember 2004
Museum für Moderne und Zeitgenössische Kunst
Das Straßburger Musée dArt Moderne et Contemporain
zeigt eine Ausstellung, die dem Fotografen Erich Salomon gewidmet ist.
Erstmals in Frankreich werden rund 100 Originalabzüge präsentiert.
Des weiteren belegen ebenfalls ausgestellte Zeitungsausschnitte und Bücher,
in welch hohem Maß Salomons Bilder die Presse seiner Epoche geprägt
haben.
Erich Salomon (Berlin 1886 Auschwitz 1944), Sohn eines reichen
Bankiers, studiert Zoologie und Architektur, bevor er sich an der juristischen
Fakultät der Universität von Berlin habilitiert. Ab 1925 arbeitet
er in der Werbeabteilung des Berliner Verlegers Ullstein. 1927 kauft er
einen Fotoapparat, um die Reklamen seines Arbeitsgebers, die
an den Fassaden der Berliner Häuser prangen, abzulichten. Wenige
Monate später erwirbt er einen der ersten kleinen Apparate, einen
Ermanox, der eine Kassette mit 24 Glasplatten und ein extrem lichtdurchlässiges
Objektiv besitzt, so dass kein Magnesium-Blitzlicht mehr verwendet werden
muss. Dadurch werden Momentaufnahmen auch bei schwachem Licht möglich.
Ab 1930 benutzt er die neue Leica, ein noch leichteres und unauffälligeres
Gerät. Da kommt er auf den Gedanken, seinen Apparat in einem kleinen
Koffer zu verstecken und sich Zutritt zu einem englischen Gerichtshof
zu verschaffen, wo gerade ein besonders spektakulärer Prozess stattfindet.
Das Ergebnis ist dermaßen beeindruckend, die Bilder sind so neu,
dass Ullstein Erich Salomon ziehen lassen muss, damit dieser eine Karriere
als unabhängiger Fotoreporter beginnen kann. Er ist einer der ersten,
der seine veröffentlichten Fotos signiert.
Salomon macht sich sehr schnell einen Namen als Spezialist für Fotografien
ohne zusätzliche Lichtquelle. Man sieht ihn auf internationalen Konferenzen
und politischen Versammlungen, in Gerichts-, Theater- und Konzertsälen
bei allen offiziellen Ereignissen fotografiert er die Protagonisten
mit einem scharfen Blick, der den entscheidenen Moment instinktiv erfasst.
Schon bei der Einstellung legt er die Komposition des Bildes fest. Die
Kraft und die Originalität von Salomons Fotos sind aber nicht allein
auf die Themen zurückzuführen. Sein extrem feines Gespür
für die gegebenen Lichtverhältnisse erzeugt jene eigenartige
Atmosphäre, die seine Arbeiten auszeichnet. Hinzu kommt die subtile
Verteilung der Linien und Massen auf der Bildfläche, die Salomon
ebenfalls von seinen Kollegen unterscheidet.
Die Politiker begreifen schnell, wie ausdrucksstark und brisant Salomons
Fotos sind. Diese Bilder, die über die Medien verbreitet werden,
sind wie Spiegel, die ihnen vorgehalten werden. Obendrein bieten sie den
Zeitungslesern die Möglichkeit, sich jenseits der offiziellen Aufnahmen
ein anderes Bild vom öffentlichen Leben zu machen. Einige Persönlichkeiten
begreifen aber auch, dass dieses intime Bild kontrolliert,
manipuliert, konstruiert werden muss. Dank der zahlreichen Beziehungen,
die er seiner Familie verdankt, aber auch aus eigener Initiative knüpft,
hat Salomon freien Zugang zu allen Kreisen. Aus der Szene
ist er nicht mehr wegzudenken.
Das öffentliche Leben nimmt Salomon schonungslos aufs Korn; dem Privatleben
begegnet er jedoch stets mit größter Achtung. Aristide Briand
sagte einmal: Was ist schon eine internationale Konferenz, wenn
Salomon nicht dabei ist?.
Nach 1930 flieht er nach Holland. 1944 wird er denunziert und mit seiner
Frau und dem jüngsten Sohn nach Auschwitz deportiert. Der nach England
geflohene älteste Sohn, Peter Hunter (geborener Salomon), entkommt
den Konzentrationslagern. Nach dem Krieg baut er die Archive seines Vaters
wieder auf. Heute sind sie Bestandteil der Berlinischen Galerie, die auch
für die Organisation dieser Ausstellung verantwortlich zeichnet.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. Damit ist eine eingehende Einführung
in Salomons Werk erstmals in Frankreich erhältlich. Anschließend
wird die Ausstellung in der Berlinischen Galerie (Berlin), der Photographischen
Sammlung / SK Stiftung Kultur (Köln) und im Fotomuseum Winterthur
(Schweiz) gezeigt.
|