Wenn Kinder mit Farbtöpfen, Buntstiften und Filzmalern hantieren, sagen sie: „Gib mir Rot“ oder „Ich habe kein Gelb mehr“. Denn ihre Ausdrucksmittel sind weniger Pinsel und Stifte, sondern vielmehr Farben.
Doch ist es bei Künstlern nicht genau so?
1958 stellte Yves Klein die kontroverse Frage, ob Zeichnung und Linien der Farbe überlegen sind. Für den Erfinder des berühmten IKB-Blau kann das Pikturale lediglich anbieten, während Farbe „ist“. Wissenschaftlich ausgedrückt ist eine Farbe in ihrer reinen Form Licht. In der künstlerischen Praxis ist Farbe ein Werkstoff. Ob als Pigment oder Pixel, Farbe ist die materielle Grundlage der schöpferischen Arbeit eines Künstlers.
Von der antiken Scherbe bis hin zum zeitgenössischen Kunstvideo untersucht die Ausstellung anhand einer Auswahl von Werken und Gegenständen aus den Sammlungen der Straßburger Museen die materiellen Aspekte von Farbe. Was sind Farbpigmente? Woher haben Farben ihre Namen? Wie sahen alte Kunstwerke ursprünglich aus? Warum bevorzugt ein Künstler bestimmte Farben? Anhand all dieser Fragen sollen dem Geist die Augen für eine ebenso sinnliche wie kenntnisreiche Auseinandersetzung mit dem Thema Farbe in der Kunst geöffnet werden. An zahlreichen Experimentierstationen können große und kleine Besucher, Kunstliebhaber und Amateure beim Rundgang durch die Ausstellung dem Phänomen Farbe anhand verschiedenster Kunstwerke nachspüren.
Vermittlung einer komplexen Problematik
Die von der Pädagogischen Abteilung der Straßburger Museen durchgeführte Schau „Chromamix 2“ versteht sich als Echo auf die Ausstellung „Chromamix 1“ zum Thema Farbkommunikation in der Tierwelt, die derzeit im Zoologischen Museum zu sehen ist. Mit einem innovativen Ausstellungsdesign und neuen interaktiven Tools, von denen manche chromatische Aspekte aufgreifen, andere eher kontemplativ ansetzen, richtet sich „Chromamix 2“ an alle Besucherkreise.
Im Mittelpunkt steht die Farbe als ein grundlegender, jedoch ausgesprochen schwer zu fassender Bestandteil des kreativen Prozesses. Im Bestreben pädagogisch vermittelnd zu wirken, ermöglicht die Ausstellung dem Besucher den direkten Kontakt mit dem künstlerischen Akt und will durch die Einbeziehung aller Sinneswahrnehmungen bewusst machen, dass es sich bei den gezeigten Werken um die materiellen Ausdrucksformen künstlerischen Schaffens handelt. Damit wird das Betrachten als solches zur kreativen Handlung.
Im Rahmenprogramm zur Ausstellung besteht die Möglichkeit, diese erste Auseinandersetzung mit dem Thema Farbe in zahlreichen von Künstlern und Museumspädagogen angeleiteten Workshops zu vertiefen. Seit den Erkenntnissen des Bauhauses, die von der jüngeren kunsthistorischen Forschung bestätigt werden, geht man davon aus, dass sich Farblehren stets aus der Praxis, aus konkret gelebter Erfahrung ableiten. Darauf aufbauend richtet die museumspädagogische Abteilung eine „Alchimistenwerkstatt“ ein, die mit Pigmenten unterschiedlichster Herkunft zum praktischen Experimentierfeld der Ausstellung wird.
Schließlich verfolgt „Chromamix 2“ keinen bloßen Selbstzweck. Da in der Schau lediglich ein Bruchteil der Sammlungen der Straßburger Museen gezeigt werden kann, erschließt sich ihr Anliegen erst durch den Besuch der anderen Museen voll und ganz. Dort veranschaulichen viele weitere Werke und Kunstgegenstände das
Thema in situ, und erst in ihrem Ursprungsmuseum kommen die blitzenden Silber- und Goldschmiedearbeiten des Kunstgewerbemuseums, die subtil-mysteriösen Nuancen der Werke im Musée de l’Œuvre Notre-Dame und die vielfarbigen Motive der Exponate im Elsässischen Museum richtig zur Geltung. Ein für Familien konzipiertes Spielbuch führt auf der Suche nach bestimmten Farben und Werken durch die Sammlungen dieser Museen und ergänzt so die Schau des Museums für moderne und zeitgenössische Kunst.
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